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22.06.2018IN Smart InvestVON Linus Sluyter

Geschlossene Fonds: Lukrativ und gnadenlos unterschätzt!

Mithilfe der geschlossenen Fonds können auch Privatanleger die erfolgversprechenden Anlagestrategien der Profis nachahmen, sofern auch bei ihnen der langfristige Vermögensaufbau im Vordergrund steht.

Bei einer Google-Suchanfrage nach „geschlossenen Fonds“ stößt man auf der Trefferliste auf plakative Aussagen wie „Die schlechteste Geldanlage der Welt“ oder „Die schlimme Bilanz einer Branche“. Es besteht kein Zweifel daran, dass die geschlossenen Fonds in der Öffentlichkeit immer noch als das Schmuddelkind der Finanzbranche wahrgenommen werden. Und wie so oft im Leben kommt der schlechte Ruf nicht von ungefähr. Immer wieder hört man in der Presse von Skandalen rund um die geschlossenen Fonds. Ganze Scharen von Anwälten haben sich auf Haftungsklagen gegen die Emittenten und deren Vertriebspartner dieser vermeintlich unfairen und gefährlichen Anlagen spezialisiert. Als Konsequenz daraus haben sich viele Finanzberater komplett vom Vertrieb geschlossener Fonds verabschiedet. Auch in den Bankenvorständen ist man auf dieses Thema nicht mehr besonders gut zu sprechen. Doch ist dieser katastrophale Ruf wirklich gerechtfertigt? Oder spiegelt hier das kollektive Gedächtnis doch eher längst vergangene Zeiten wieder?

Geschlossene Investments sind besser als ihr Ruf

Fangen wir damit an, dass der geschlossene Fonds mittlerweile unter dem neuen Namen der geschlossenen Alternativen Investmentfonds (AIF) firmiert. Im Rahmen einer groß angelegten Neuregulierung im Jahr 2013 hat der ehemals geschlossene Fonds eine regulatorische Komplettüberholung erfahren. Waren früher die Hürden für die Auflage eines geschlossenen Fonds noch recht gering, so darf diese Tätigkeit heute ausschließlich von Kapitalverwaltungsgesellschaften ausgeübt werden. Diese Gesellschaften benötigen eine offizielle Erlaubnis der zuständigen Aufsichtsbehörde (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen) und müssen dafür gewisse Standards an fachlichen, organisatorischen und finanziellen Voraussetzungen erfüllen.

Auch an das Produkt werden heute wesentlich höhere Ansprüche gestellt als das vor 2013 noch der Fall war. Ein detaillierter Verkaufsprospekt und weitere erforderliche Vertriebsunterlagen gewährleisten ein hohes Maß an Transparenz gegenüber den Anlegern. Der Vertrieb dieser Produkte setzt die vorherige Genehmigung der Aufsichtsbehörde voraus und unterliegt klar festgelegten Verhaltensregeln bei der Bewerbung an die Kunden. Außerdem erhalten die Kunden heutzutage einen besseren Einblick in die tatsächliche Wertentwicklung ihrer Investition – dank der Verpflichtung, einen Jahresabschluss zu erstellen und mindestens auf Jahresbasis eine komplette Bewertung aller Vermögensanlagen zu ermitteln.

Doch wie steht es mit der Gefahr des mutwilligen Betrugs, wie er in der Vergangenheit bei diesen Investments leider viel zu häufig vorgekommen ist? Hier hat der Gesetzgeber einen effektiven Riegel vorgeschoben, indem die Vermögenswerte heute von einer unabhängigen Verwahrstelle kontrolliert werden und somit das Risiko einer unkorrekten Mittelverwendung stark reduziert wurde. Darüber hinaus müssen die Anbieter und deren Vertriebspartner mögliche Interessenskonflikte transparent offenlegen, so dass suspekte Verstrickungen leichter auffliegen und somit vermieden werden können. Und sollte dennoch mal etwas anbrennen, steht den Kunden noch die Möglichkeit offen, von ihren Mitbestimmungsrechten Gebrauch zu machen und ihren Einfluss auf wichtige Entscheidungen der Fondsgesellschaft auszuüben.

Gute Gründe für Investments in geschlossene Fonds

In der Blütezeit der geschlossenen Fonds war eines der stärksten Verkaufsargumente bei der Kundengewinnung deren steuerliche Behandlung. So wurden teilweise künstlich hohe Werbungskosten bei der Fondskonzeption einkalkuliert, die dann für erhebliche Steuererleichterungen aufseiten der Kunden genutzt werden konnten. Diese Zeiten sind definitiv vorbei. Heute ist der wichtigste Beweggrund für ein Investment in einen geschlossenen AIF der einfache Zugang zu attraktiven Sachwerten wie etwa Immobilien, Flugzeuge, Private Equity oder Infrastrukturprojekte. Dabei spielt gerade die Eigenschaft, die Anlegergelder über einen langen Zeitraum zu binden, eine große Rolle. Denn angesichts des historisch niedrigen Zinsumfelds müssen Anleger vermehrt neue Renditequellen erschließen. Ein bei professionellen Anlegern immer populärerer Ansatz zur Renditesteigerung ist das Verdienen von Illiquiditätsprämien. Diese Prämien (in der Form von höheren Renditen) fallen bei Vermögenswerten an, die sich nicht so leicht wieder veräußern lassen und somit über einen langen Zeitraum gehalten werden sollten. Insbesondere institutionelle Investoren wie Versicherungen oder Vorsorgeeinrichtungen mit ihren langfristigen Verpflichtungen gegenüber Versicherten und Arbeitnehmern sind gerne bereit, die fehlende Liquidität dieser Sachwertinvestitionen für die Aussicht auf höhere Renditen einzutauschen.

Mithilfe der geschlossenen AIFs können auch Privatanleger diese erfolgversprechenden Anlagestrategien der Profis nachahmen, sofern auch bei ihnen der langfristige Vermögensaufbau im Vordergrund steht. Sie können sich bei diesen Fonds auch mit überschaubaren Investitionsbeträgen an professionell verwalteten Sachwertinvestitionen beteiligen. Im aktuellen Umfeld lassen sich mit diesen Investments selbst bei einer moderaten Risikobereitschaft jährliche Erträge von über 4% nach Kosten erzielen – ganz ohne Steuerschlupflöcher. Trotzdem sei hier angemerkt, dass viele geschlossene AIF im Gegensatz zu anderen Investitionsformen häufig einen steuerlichen Vorteil genießen, da die Spekulationssteuer auf Veräußerungsgewinne aufgrund der langen Haltedauer (>10 Jahre) entfällt. Dennoch sollten sich Privatanleger aber gut informieren, bevor sie planen eine Investition in einen geschlossenen AIF zu tätigen. Wie bei allen Anlageentscheidungen gilt es bei der Produktauswahl persönliche Aspekte wie bspw. die eigene Risikobereitschaft oder Liquiditätsbedürfnisse zu berücksichtigen. Zum Glück stehen den Kunden heute dafür mehr Informationen denn je zur Verfügung.

Vorteile gegenüber offenen Immobilienfonds

An dieser Stelle wollen wir mit einigen hartnäckigen Gerüchten über den geschlossenen Immobilienfonds aufräumen und die Fakten klarstellen. Immer wieder liest man in der Presse Kommentare zur Überlegenheit der offenen Immobilienfonds, die angeblich aufgrund besserer Liquidität und höherer Diversifikation die attraktivere Alternative darstellen. Was leider oftmals in diesem Kontext verschwiegen wird ist die Tatsache, dass offene Fonds heute eigentlich gar nicht mehr so offen sind. Bei der Erstzeichnung geht der Kunde eine Mindesthaltefrist von 2 Jahren an. Und selbst danach ist er an eine 12-monatige Frist gebunden, bevor das investierte Kapital bei einer Rückgabe der Anteile zurückgezahlt werden kann. Auch sollte daran erinnert werden, dass ein Großteil der offenen Immobilienfonds inmitten der Finanzkrise im Jahr 2008 schließen musste und die Anleger von ihrer vermeintlichen Liquidität keinen Gebrauch machen konnten. Inwieweit dieses Risiko auch heute noch besteht, vermag wohl niemand mit hoher Gewissheit zu sagen. Fest steht jedoch, dass die Flexibilität der offenen Immobilienfonds die Renditeaussichten für die Anleger erheblich schmälert. Die jährlichen Erträge von rund 2% – 2,5% liegen weit unter denen für die geschlossenen Immobilienfonds.

In Sachen Diversifikation bieten die breit gestreuten Portfolios der offenen Fonds insbesondere den weniger vermögenden Privatanlegern einen offensichtlichen Mehrwert. Der Nachteil besteht jedoch darin, dass der Anleger nicht wirklich weiß, in welche konkreten Investmentobjekte sein Geld investiert sein wird. Denn anders als bei den geschlossenen Fonds kann sich das Investmentportfolio durch Zu- und Verkäufe von Immobilien über die Zeit verändern. Dass es dadurch auch zu gewissen Änderungen bei der Anlagestrategie kommen kann zeigt der aktuelle Trend, dass bei offenen Immobilienfonds vermehrt ein Teil der Anlegergelder in Nischensegmente wie Student Housing, Pflegeheime oder Fachmarktzentren investiert wird. Ob sich diese doch meist sehr illiquiden Vermögenswerte mit einer offenen Investmentstruktur vertragen bleibt abzusehen.

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